12.05.2021

Less Waste

Serie im BODAN Angebote-Magazin

Dieser Inhalt ist relevant für
Bio-LädenAnbauer + HerstellerKonsumenten

Less Waste – weniger Abfall und Verschwendung bei Verpackungen – ist ein großes Thema, das viele Bio-Hersteller, Bioläden, Verbraucherinnen und Verbraucher schon lange bewegt. Die eine richtige Lösung dafür gibt es allerdings nicht. Welche Verpackung die Bestmögliche ist, hängt vom individuellen Produkt und den logistischen Anforderungen ab. Und es gilt, die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick zu nehmen. Im Rahmen unserer Less-Waste-Serie stellen wir einige gute Beispiele vor.

Weniger Müll, mehr Verantwortung

Funktionen von Verpackungen

Seit vielen Jahren steigt das Verpackungsaufkommen in Deutschland kontinuierlich (siehe Grafik). EU-weit wurden allein im Jahr 2018 mehr als 1,13 Billionen Verpackungen für Essen und Getränke hergestellt – das sind ca. 2.500 Verpackungen pro Einwohner.

Verpackungen sind nicht per-se etwas Schlechtes. Sie erfüllen wichtige Funktionen, auch über die Vermarktung hinaus: Sie schützen das Produkt vor Umwelteinflüssen, Austrocknen, Beschädigung, Verunreinigung und Verderben oder gewährleisten einen sicheren und hygienischen Transport. Keinem ist damit gedient, wenn der gänzliche Verzicht auf Verpackung dazu führt, dass große Mengen wertvoller Bio-Lebensmittel verderben und in den Abfall wandern.

Aufwärtstrend statt Reduktion

Quelle: Umweltbundesamt/Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung.
Hier nicht erfasst sind Um-, Transport-, Versand- und Service-Verpackungen.

Recycling: Wunsch und Wirklichkeit

Schlecht ist allerdings, wenn wir Ressourcen unnötig verschwenden, indem wir mehr verpacken als nötig, viel Müll erzeugen und wenig wiederverwerten. So lag etwa die Recycling-Quote für Kunststoffabfälle hierzulande 2017 bei nur 15,6% (Plastikatlas 2019). Die Deutschen sind also weit entfernt von ihrer Wunschvorstellung, Recyclingweltmeister zu sein. Less Waste – weniger Abfall und Verschwendung – ist ein großes Thema, das viele Bio-Hersteller, Bioläden, Verbraucherinnen und Verbraucher schon lange bewegt.

Die eine richtige Lösung gibt es nicht

Nicht nur Plastik sparen

Viele denken bei "Less Waste" zuerst an Plastik. Kein Wunder. Alarmierend sind die Befunde über Plastik-Massen in unseren Meeren oder das Mikroplastik, das längst bis in die Lebensadern von Tieren, Menschen und Böden vorgedrungen ist.

Trotzdem greift zu kurz,
wer beim Streben nach weniger Verschwendung allein auf Plastik-Verzicht setzt. Denn erstens gibt es verschiedene Kunststoffe, die sich in ihrer Recyclingfähigkeit deutlich unterscheiden. Und zweitens beanspruchen auch Verpackungen aus Materialien wie Papier oder Glas Ressourcen und belasten die Umwelt. Nicht immer ist optimal, was auf den ersten Blick gut erscheint.

Gesamte Wertschöpfungskette zählt

Für eine ökologische Bewertung von Verpackungen gilt es, die gesamte Wertschöpfungskette mit einzubeziehen – von der Gewinnung der Ressourcen und den Emissionen bei der Produktion über den CO2-Ausstoß beim Transport bis hin zur Wiederverwertung. Welche Lösung die richtige ist, hängt vom individuellen Produkt und den logistischen Anforderungen ab. So schneiden etwa Mehrweg-Glasflaschen besonders gut ab, wenn die Transportwege kurz sind. Auf Fernstrecken kann ihr hohes Gewicht zum Nachteil werden.

Mehr-WertLess Waste im BODAN ShopIm BODAN-Online-Shop für Bioläden sind Produkte mit ressourcenschonenden und plastikfreien Verpackungen entsprechend gekennzeichnet. Einkaufsverantwortliche in Bioläden finden sie unter "Aktionen“ > Auswahl "Less-Waste".

Übrigens: Frisches regionales Obst und Gemüse liefern wir durchweg in Mehrweg-Kisten aus, inzwischen vermehrt auch Übersee-Ware. Und auch Getränke handeln wir fast ausschließlich in Mehrweggebinden.

Verschiedene Less-Waste-Ansätze

  • Reduktion: weniger ist mehr
    • Verpackungsverzicht (z.B. Nüsse im Unverpackt-Laden)
    • Mehrweg (z.B. Pfandflaschen)
    • Reduzierter Materialeinsatz (z.B. größere Gebinde, Konzentrate, kleinere Luftzwischenräume, dünnere Wände)
  • Substitution: ressourcenschonend und rezyklierbar
    • Umweltfreundlicherer Werkstoff (z.B. Papier, rezyklierbares PE)
    • Rezyklate (z.B. aus PET und Papier)
    • Trennbare Materialien statt Verbundstoffe (z.B. Jogurt Becher mit abnehmbarem Papier-Mantel)
  • Transformation: Änderung der Verpackungsart
    • Produkt bleibt unverändert (z.B. Nachfüllpacks)
    • Änderung von Gestalt oder Aggregatzustand des Produkts (z.B. festes Shampoo, Wechselköpfe für Zahnbürsten)
  • Services und Informationen
    • Zur Wahl ökologisch günstigerer Verpackungen
    • Zur Förderung eines ein nachhaltigen Einkaufsverhaltens
    • Zur Redkution des Verpackungsaufkommens
    • Zum nachhaltigen Umgang mit Verpackungen

    Zum Beispiel Entsorgungshinweise auf Produktverpackungen, Informationen zu ökologischen Effekten, besondere Mehrweg-Services, praktische Tipps für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Was können wir tun?

Vermeiden, Wiederverwenden, Rezyklieren!

Grundsätzlich gilt die Rangfolge: Vermeiden, Wiederverwenden, Rezyklieren! Vorteilhaft ist außerdem, auf rezyklierbare Materialien zu setzen, die gut voneinander zu lösen sind. Je sauberer wiederverwendbare Stoffe wie Papier, Glas oder Polyethylen (PE) getrennt werden, desto besser für Recyclingquote, Reinheit und Qualität der aus ihnen wiedergewonnenen Recycling-Materialien (Rezyklate).

Gute Beispiele

Je nach Produkt-Eigenschaften und -Anforderungen können Hersteller und Handel verschiedene Less-Waste-Ansätze verfolgen (siehe Liste oben). Viele Bio-Hersteller haben schon starke Lösungen entwickelt, von denen wir für die Zukunft lernen können. In der Less-Waste-Serie in unserem Angebote-Magazin für Bioläden stellen wir ab Mai 2021 einige dieser guten Beispiele vor. Links zu allen Beiträgen der Serie finden Sie unten.

Leitfaden Service-Verpackungen

Über die Produktauswahl hinaus leisten Bioläden durch die Entscheidung für umweltschonende Service-Verpackungen einen Beitrag zur Müll-Reduktion, etwa durch den Umstieg auf Mehrwegtaschen oder Pfandbecher. Hilfreiche Tipps dazu finden Sie im Leitfaden zum Einsatz von Service-Verpackungen des Bundesverband Naturwaren und Naturkost (BNN).

Zum BNN-Leitfaden Service-Verpackungen

Gute Beispiele

Viele Bio-Hersteller haben schon starke Lösungen entwickelt, von denen wir für die Zukunft lernen können. In unserer Less-Waste-Serie im BODAN Angebote-Magazin stellen wir einige dieser guten Beispiele vor.

8 Tipps für Less-Waste bei Ihrem Einkauf

  • Taschen, Becher und BoxenOb Einkaufstasche, Gemüsenetz oder Kaffeebecher – für alles gibt es wiederverwendbare Alternativen in attraktiven Designs.
  • Mehrweg-LösungenPfandsysteme sind oft die erste Wahl, besonders für Produkte mit kurzen Transportwegen.
  • UnverpacktFür viele Bio-Produkte gibt es inzwischen clevere Stationen, um wiederverwendbare Behälter zu befüllen.
  • Seifen und ReinigungsmittelNachfüllpackungen oder feste Seifen können den Plastik- oder den Materialverbrauch insgesamt senken.
  • KonzentrateKonzentrate oder Sirupe lassen Verpackungen "schrumpfen".
  • Familien-PackungenGroße Einheiten sind besser als viele Mini-Portionen.
  • TrennbarkeitAblösbare Verpackungskomponenten sind i.d.R. besser als Verbundstoffe.
  • EntsorgungshinweiseInformationen auf der Verpackung helfen beim richtigen Trennen für optimales Recycling.